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Geschrieben von: Henry Berndt   
Freitag, den 16. Oktober 2015 um 14:25 Uhr

Der Abend war ein Experiment für alle. Für die Sportler des Radebeuler Badminton Vereins genauso wie für ihre Gäste, 18 Bewohner des Asylbewerberheims an der Kötitzer Straße. Dort draußen nahe der Stadtgrenze zu Coswig sind derzeit 180 Flüchtlinge untergebracht. Kaum jemand kannte sie bis jetzt, obwohl einige von ihnen schon seit Jahren dort leben. Für den RBV Grund genug, zumindest die Sportbegeisterten unten ihnen für einen Abend in die Lößnitzhalle einzuladen. Ziel war es, den Verein und den Sport Badminton kurz vorzustellen und dann gemeinsam Fußball zu spielen.

Ein Sonderbus der Meißner Verkehrsgesellschaft brachte die Asylbewerber am Mittwoch 19.30 Uhr zur Halle. Sportschuhe hatte fast keiner von ihnen. Viele kamen in Hemd und Jeans - weil sie keinerlei Sportsachen hatten. Zum Glück konnten wir aushelfen. Die DDV Mediengruppe sponserte den Abend. Unter anderem organisierte Andreas für jeden Teilnehmer ein Paar Schuhe. Auch Hosen und Shirts wurden verteilt. Dann bekam jeder einen Schläger in die Hand gedrückt und ab gings in die Halle.

Dort passierte Erstaunliches. Schon wenige Minuten nach ihrer Ankunft spielten alle Gäste auf allen neun Feldern gegen Mitglieder des RBV. Wie durch Zauberhand hatte sich die Konstellation genau so ergeben, ohne das irgend jemand ein Startsignal gegeben hätte. Integration funktioniert eben manchmal ganz von allein, wenn man ihr ein wenig Starthilfe gibt. Nach ein paar Minuten Warmspielen sammelten sich alle Sportler in der Mitte. Nun zeigten Andreas und Stephan, wie Badminton nach dem ein oder anderen Jahrzehnt Training gespielt wird. Für ihre Kostproben gab es sogar Applaus. Sie zeigten einige Übungen, die anschließend von den Gästen und ihren Radebeuler Spielpartnern selbst ausprobiert wurden. Am Ende spielten alle sogar um Punkte. Unfassbar, wie gut die Gäste auf Anhieb den Ball trafen! Der Badmintonteil wurde am Ende viel länger als geplant. Dagegen sträubten sich die RBVler natürlich nicht, sondern freuten sich über das große Interesse.

Viele fleißiger Helfer vom RBV hatten für Getränke und Snacks gesorgt, die die Pause versüßten. Es gab belegte Brötchen, Obst, Müsliriegel und Kuchen.

Dann war es aber höchste Zeit für den Fußball. Gegen 21Uhr wurden die Netze ab und die Tore aufgebaut. Rasch wurden vier Teams gebildet und los ging es auf zwei Feldern und zwei Dritteln der Halle. Auf dem verbliebenen Drittel spielen einige der Asylbewerber lieber weiter Badminton. Wenn da mal nicht verborgene Talente schlummern! Tatsächlich zeigten einige der Gäste Interesse, vielleicht künftig regelmäßig zum Training in die Lößnitzhalle zu kommen. Ausgang offen. Wir würden uns freuen.

Kurz vor 22 Uhr ertönte dann die Schlusssirene. Der Bus nach Hause wartete schon vor der Halle. Bei der Verabschiedung wurde eifrig abgeklatscht. Auch einige Umarmungen gab es. Die Szenen zeigen: Wer an diesem Abend in die Lößnitzhalle gekommen war, der ging mit einem großen Gewinn nach Hause. Und damit sind nicht die Sportschuhe gemeint. Naja, nicht nur.



Henry Berndt
Vorsitzender
Radebeuler BV
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 16. Oktober 2015 um 16:20 Uhr
 
  

Das Berichtsheft 2017 und die Satzungsänderungen sind online



„Ein Badmintonspieler sollte verfügen
  • über die Ausdauer eines Marathonläufers,
  • die Schnelligkeit eines Sprinters,
  • die Sprungkraft eines Hochspringers,
  • die Armkraft eines Speerwerfers,
  • die Schlagstärke eines Schmiedes,
  • die Gewandtheit einer Artistin,
  • die Reaktionsfähigkeit eines Fechters,
  • die Konzentrationsfähigkeit eines Schachspielers,
  • die Menschenkenntnis eines Staubsaugervertreters,
  • die psychische Härte eines Arktisforschers,
  • die Nervenstärke eines Sprengmeisters,
  • die Rücksichtslosigkeit eines Kolonialherren,
  • die Besessenheit eines Bergsteigers
  • sowie über die Intuition und Phantasie eines Künstlers.


  • Weil diese Eigenschaften so selten in einer Person versammelt sind,
    gibt es so wenig gute Badmintonspieler.“

    – Martin Knupp: Yonex-Badminton-Jahrbuch 1986 –
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